Eingewachsener Zehennagel

Unguis incarnatus


Innenbandschwäche

Allgemeine Information

Eine Entzündung am seitlichen Großzehennagel nennt man Unguis incarnatus. Es gibt mildere Formen, welche ebenso stark schmerzhaft sein können. Diese nennt man Paronychie.

Aufgrund der klinischen Häufigkeit und Relevanz  und zur Vereinfachung der Beschreibungen wird hier nur auf die Behandlung des Unguis incarnatus eingegangen.

Der chronisch eingewachsene Großzehennagel ist immer begleitet von einer stark schmerzhaften Weichteilentzündung des Umgebungsgewebes (Hypergranulation).

Ausgeprägte chronische Befunde mit starker Entzündungsreaktion müssen operativ behandelt werden. Bei leichten Befunden reichen pflegerische Maßnahmen. Ob mit oder ohne Operation: eine adäquate Fußpflege und eine Anpassung des Schuhwerkes sind bei der Behandlung des Unguis incarnatus unerlässlich.

Eine professionelle Fußpflege / Podologie kommt bei Patienten mit ausgeprägten Befunden und auch bei älteren und kranken Patienten in Frage.

Eine kurze Übersicht über weitere Ursachen eines schmerzhaften Großzehennagels:

– Paronychie:
Akute Entzündung der Nageltasche

– Onychogryphose:
Überschießende Wachstumsstörung des Nagels

– Onychomykose:
Nagelpilz

– Osteochondrome/ Exostosen des Endgliedes:
Knochenwucherungen unter dem Zehennagel

Ursachen

Eine alleinige Ursache ist selten. Die Nagelentzündung gehört zu den häufigsten Erkrankungen in der alltäglichen, fußchirurgischen Praxis.Häufig sind auch jüngere Patienten betroffen. Fast immer ist die Großzehe entzündet, selten auch einmal eine Kleinzehe.

Die Kombination aus unsachgemäßer Nagelpflege, unzureichender Fußflege und zu engem Schuhwerk kann die Entzündung an der Nagelseite hervorrufen. Eine dann zunehmende Hypergranulation (Überwucherung) verstärkt die Problematik.

Hauterkrankungen der Nägel, sowie Stoffwechselstörungen, z.B. Diabetes mellitus, können den Unguis incarnatus verursachen oder auch verschlimmern.

Operationsverfahren

Es  gibt unterschiedliche Eingriffsmöglichkeiten. Welches davon in Frage kommt richtet sich nach der Schwere der Erkrankung.

Bei einer akuten Entzündung ohne wesentliche chronische Beteiligung des benachbarten Weichteilgewebes reicht eine lokale Gewebssäuberung (Dèbridement) mit Teilentfernung einer störenden Nagelkante. Zusätzlich kann das Gewebe chemisch eingeschmolzen werden (z.B.Phenolablation).

Beim  klassischen Unguis incarnatus wird weiterhin die Emmert- Plastik empfohlen. Nach Betäubung der Zehennerven mit einem Lokalanästhetikum wird ein 3-5 mm breiter Nagelstreifen mit samt seinem Nagelbett schmerzfrei entfernt. Anschließend wird eine Tamponade eingelegt und eine offene Wundbehandlung durchgeführt. Ein Verschluss mit einer chirurgischen Naht kann manchmal erforderlich sein.

Die wirkungsvollste Operation des Unguis incarnatus ist die erweiterte Emmert- Plastik, die OP nach Winograd. Hier wird nicht nur ein Nagelstreifen samt Nagelbett entfernt, sondern auch die gesamte benachbarte Haut einschließlich der Entzündungszone bis tief zum Knochen des Endgliedes.

Sehr selten wird eine komplette Entfernung des Zehennagels erforderlich. Oft wird dies aber vom Patienten nach einem langen Leidensweg oder aus ästhetischen Gründen schon früher gewünscht. Wird nur der Nagel entfernt beruhigt sich die Entzündung rasch. Ein anschließendes, normales und gesundes Nagelwachstum kann jedoch in Einzelfällen nicht den ästhetischen Erwartungen genügen und müsste dann ggf. gesondert korrigiert werden.

In schwierigen Fällen ist die Nagelentfernung mit Ausräumung des Nagelbettes, der Nagelwurzel und anschließender plastischer Hautdeckung unvermeidlich. Die benachbarte Haut wird mit einem sogenannten lokalen Verschiebelappen über die Nagelwurzel versetzt.Der vordere Anteil des ehemaligen Nagelbettes vernarbt dann kräftig. Die kosmetischen Ergebnisse sind gut und führen zu einer hohen Patientenzufriedenheit.

Nachbehandlung

Die ersten Wundkontrollen nimmt der Chirurg vor. Die gegebenenfalls eingelegte Tamponade muss am Folgetag entfernt werden. Bei einer Wundnaht wird das Nahtmaterial nach 8 – 12 Tagen entfernt. Anschließend kommen lokale Desinfektionsmittel zur Anwendung und es sollten täglich Fußbäder durchgeführt werden.Der Einsatz von Antibiotika kann in sehr seltenen Fällen erforderlich werden.

Bei unsachgemäßer oder nachlässiger Fußpflege und durch das Tragen unpassenden Schuhwerks ist ein Wiederauftreten (Rezidiv) der Beschwerden nicht auszuschließen.

Es gilt jedoch: Je sorgfältiger die kunstgerechte, operative Behandlung und je sorgfältiger die anschließende Pflege, desto unwahrscheinlicher ist eine erneute Entzündung.