Schmerzen im Bereich der Oberen Ferse

Haglund Syndrom


Haglund Syndrom

Allgemeine Information

Der hintere Fersenschmerz darf nicht verwechselt werden mit dem unteren/ plantaren Fersenschmerz (Fersensporn, Plantarfasziitis)

Der hintere Fersenschmerz umfasst eine Gruppe von pathologischen Veränderungen:

– Tendinitis calcarea der Achillessehne:
Verkalkung der Achillessehne

– Haglund Exostose:
Knochensporn der Ferse

– Bursitis retrocalcaneare:
tiefe Schleimbeutelentzündung

– Bursitis subcutanea calcanea:
oberflächige Schleimbeutelentzündung

Ursachen

Durch Verkürzung und Überbeanspruchung der Wadenmuskulatur kommt es zu einer Reizung und Verdickung der Achillessehne am Fersenbeinansatz. Besteht nun der sogenannte „angeborene“ Haglund Höcker, drücken sich die beiden Strukturen gegeneinander ein. Ein dazwischenliegender Schleimbeutel wird somit gereizt. Kommen ungünstige enge und hochhackige Schuhe dazu, verstärkt sich das Symptom. Zusätzlich kann ein Schleimbeutel der Haut sich ebenfalls entzünden (Bursitis subcutanea). Besteht diese Symptomatik über einen längeren Zeitraum ist eine Verkalkung der Achillessehne zu beobachten, die Tendinitis calcarea. Alles zusammen macht dann das „Haglund Syndrom“ aus.

Operationsverfahren

Eine Operation kommt in Betracht, wenn alle anderen Maßnahmen nicht zur Beschwerdeminderung geführt haben. Hier sind zu nennen: Fersenpolster, Einlagen, Physiotherapie zur Wadendehnung, antientzündliche Salben und Medikamente, Reizbestrahlungen u.Ä. Manchmal kann auch eine gezielte Infiltration eines Schmerzmittel-  Kortisongemisches zur Linderung führen. Eine Infiltration in das Sehnengewebe darf nicht erfolgen. Insgesamt sind die Infiltrationen sehr wirksam aber sehr umstritten, da in der Literatur Sehnenrisse und lokale Knochenveränderungen beschrieben wurden. In den Leitlinien werden sie deswegen nicht empfohlen.

Theoretisch kann jede einzelne Ursache chirurgisch behandelt werden. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass man in einer Operation häufig alle vier verursachenden Strukturen angehen muss. Selten wird z.B. nur der Höcker abgetragen, ohne dass ein Schleimbeutel entfernt oder die Sehne von Verkalkungen befreit wird.

Die Operation erfolgt in Bauchlage. Es folgt ein s-förmiger, geschwungener Schnitt über dem Fersenhöcker. Die Sehne wird längs gespalten und die Haglund Exostose abgeschlagen. In diesem Procedere werden automatisch die Schleimbeutel bei der Präparation entfernt. Der Sehneneingriff richtet sich nach den Verkalkungen und ggf .vorhandenen Längsrissen. Manchmal reicht die lokale Kalkausräumung aus. Meistens wird die Sehne teilweise oder vollständig vom Knochen abgelöst, debrediert (gesäubert), angefrischt und dann mittels Fadenankern wieder im Fersenbein refixiert (befestigt).

Nachbehandlung

Die Nachbehandlung nach einer offenen Resektion und Rekonstruktion muss sehr sorgfältig, geduldig und streng durchgeführt werden. Bis zur sicheren Wundheilung besteht Belastungsverbot in einem Kunststoffgips in leichter Spitzfußstellung für die Dauer von etwa 14 Tagen. Erst dann darf in einem Kunststoffstiefel (Walker) teilweise leicht belastet werden, mindestens aber weitere sechs Wochen streng an Unterarmgehstützen. Begleitend können passive Krankengymnastik und Lymphdrainage verordnet werden.

Erst nach zwei Monaten sollte man sich langsam der Alltagsbelastung nähern; Sport ist aber mindestens für die Dauer von drei bis vier Monaten verboten.