Schmerzen im Bereich der Großzehe:

Hallux valgus – Hallux rigidus


Hallux valgus

Allgemeine Information

Der Hallux valgus ist die medizinische Bezeichnung der Ballenzehe. Er beschreibt die Lage der Großzehe zu seinem Grundgelenk mit seiner Seitwärtsneigung nach außen. Hierdurch kommt es zu einer Verschiebung der Gelenkpartner im Großzehengrundgelenk, da der erste Mittelfußknochen nach innen zeigt und die Zehe somit durch Zug der Strecksehne nach außen neigt. Desweiteren verdreht sich der erste Mittelfußknochen. Es handelt sich also um eine dreidimensionale Deformität.

Diese Fehlstellung ist an der Fußinnenseite sichtbar. Dies muss nicht unbedingt schmerzhaft sein. Durch die Fehlstellung verändert sich die Lastverteilung im Bereich der Fußsohle.Es kommt zu einer vermehrten Beanspruchung des Vorfußes, welche einen Überlastungsschmerz verursacht. Die sogenannte Transfermetatarsalgie und einfach nur die Metatarsalgie.

Desweiteren kann es nun durch Fehlbelastungen, seitlichen Druck oder Krallmechanismus zu Verformungen der Kleinzehen kommen. Die bekannteste Variante ist die Hammerzehe.

Ursachen können ungünstige Schuhe, familiäre Veranlagung, aber auch Bindegewebsschwächen sein.

Eine konservative, also nicht operative Behandlung, kann die Ursache der Fehlstellung nicht beseitigen, jedoch Symptome lindern. Stützende Einlagen, Zehenspreizer oder Lagerungsschienen können alleine nicht die knöcherne Ursachen beheben.

Unabhängig von der ärztlichen Behandlung sollte immer eine Kräftigung der Fuß-und Wadenmuskulatur berücksichtigt werden.

Hier gilt: Keine Knochen-oder Gelenktherapie ohne Muskel- und Sehnentraining!

Indikation

Indikationen zu einer Fußoperation können ganz unterschiedlich sein. Häufig ist der Schmerz sowie der Druck im Schuh, der sogenannte Schuhkonflikt, die Ursache weshalb Patienten einen Fußchirurgen aufsuchen. Des Weiteren können die Begleiterscheinungen wie Mittelfußschmerz, Hautschwielen, Druckstellen am Fuß oder Kleinzehenverformungen zum Arztbesuch führen.

Wenn die Fehlstellung im Großzehengrundgelenk weit fortgeschritten ist, kann dieser Knorpelschaden/ Arthrose ( die Großzehengrundgelenkrthrose ) ebenfalls zu einer Operationsindikation führen. Mit einer Fehslellung nennt man dieses den Hallux Rigidus.

Ziel der Operation ist eine Schmerzlinderung durch Korrektur der Fehlstellung. Aus chirurgischer Sicht wird der abweichende Winkel der ersten zwei Mittelfußknochen (Intermetatarsalwinkel) verkleinert . Die Länge des ersten Strahls sollte erhalten bleiben. Kapsel- oder Gelenkanteile, wie die Sesambeine, müssen durch Kapsel- Weichteilkorrekturenin ihre anatomische Stellung  zurückgebracht werden.

Operationsverfahren

Es gibt unterschiedliche OP-Verfahren der Korrektur des Großzehengrundgelenkes. Je nach Fehlstellungsursache und Ausmaß kommen die jeweiligen Verfahren zur Anwendung.

Eine allgemeine, für jeden Patienten gültige Behandlung gibt es nicht. Häufig werden noch zusätzlich Erkrankung der Fußes im Rahmen der Vorfußkorrektur durchgeführt, wie z.B. die Hammerzehenkorrektur.

Zur Übersicht hier eine Auflistung der üblichen Verfahren:

Chevron-Osteotomie

– Youngswick-Osteotomie

– Reverdeen-Green

– Reverdeen-Green-Laird

Scarf-Osteotomie

– Basisosteotomie ( z.B. nach Juvara)

Akin Osteotomie

Lapidus Arthrodese

Nachbehandlung

Die Vorfußkorrektur ist keine kosmetische Operation des Fußes. Sie hat aber einen kosmetischen Effekt.

Ziel ist eine funktionelle orthopädische Korrektur.Jeder knöcherne Eingriff braucht Zeit. Man kann es mit einem Knochenbruch vergleichen. Trotz Stabilisierung und Rekonstruktion benötigt der Knochen seine Zeit zum Heilen. Häufig ist dieser schon stabil, das Umgebungsgewebe aber noch geschwollen. Dies ist nichts Ungewöhnliches. Die Heilungszeit beträgt erfahrungsgemäß meist mehr als 3-4 Wochen. Selten sogar auch 8 Wochen.

Die Nachbehandlung richtet sich nach dem Operationsverfahren und dem jeweiligen Patienten.

Im allgemeinen erhalten die Patienten Unterarmgehstützen sowie einen Therapieschuh und können etwas den Fuß belasten. Die sogenannte Teilbelastung. Manchmal darf aber auch schmerzadaptiert sofort aufgetreten werden. In den seltensten Fällen muss heute noch entlastet werden.

Grundsätzlich muss von einer Wundheilungsphase von mindestens 12-14 Tagen ausgegangen werden.

Der Chirurg wird den Fuß regelmäßig sehen und auch Röntgenkontrollen durchführen.

 Im Durchschnitt dauert die chirurgische Nachbehandlung 6-8 Wochen . Physiotherapeutische Behandlungen dauern aber sicher noch etwas länger, um eine volle Mobilität zu erreichen.

Dann kommen die folgenden Etappenziele:

1.Tragen von weichen Straßen-oder Sportschuhen ohne Gehstützen

2.Tragen von Lederschuhen

3. Sportbeginn

Hallux rigidus

Allgemeine Information

Der Hallux rigidus ist eine Erkrankung des Großzehengrundgelenkes. Es handelt sich um eine Knorpel -und Gelenkzerstörung. Das Endstadium ist die Arthrose oder auch Großzehengrundgelenkarthrose. In ihrem stadienhaften Verlauf kommt es zu einer langsamen Einsteifung. Dieses muss anfangs nicht unbedingt schmerzhaft sein. Mit fortlaufender Erkrankung nehmen die Beschwerden aber meist zu.

Üblicherweise klagen Patienten beim Hallux rigidus über Schmerzen beim Gehen. Ruheschmerzen bestehen meist nicht. Die anfängliche Bewegungseinschränkung betrifft zunächst die Streckung der Großzehe, die Beugung bleibt erhalten. Die arthrotischen Veränderungen können in ihrer Entzündung unterschiedlich ausgeprägt sein. Die Patienten haben meist Probleme passendes Schuhwerk zu finden und klagen über zunehmende Belastungsschmerzen über den Tag. Auch junge, aktive Patienten können diese Erkrankung erleiden. Eine sportliche Aktivität ist somit häufig eingeschränkt.

Ursachen

Als klassische Ursachen kommen folgende Faktoren in Betracht:

– Anatomische Veranlagung

– Überlastung

– Fehlstellung des Fußes

– Schuhwerk

– Gangstörungen

– Unfallverletzungen

– Gicht, Rheuma oder Diabetes

Der Entstehungsmechanismus bei Fußfehlstellungen erklärt sich durch eine Instabilität der sog. medialen Säule, also der Fußinnenrand. Daraus folgt eine Pronation (Auswärtskippung) im Rückfuß (Subtalargelenk). Dieses wiederum führt zu einer Instabilität in der Fußwurzel (Tarsalgelenke). Der Vorfuß gleicht diese Instabilität aus, indem er sein stärkstes vorderstes Gelenk, das Großzehengrundgelenk, einsteift.

Konservative Behandlung

Konservative Behandlungen wie zum Beispiel Einlagenversorgung, Medikamente oder Physiotherapie können die Erkrankung teilweise lindern, jedoch das Fortschreiten der Arthrose nicht verhindern. Meistens kommen dann chirurgische Behandlungsmethoden zum Zuge.

Operationsverfahren

Je nach Ausprägungsgrad der Arthrose, Aktivität, Alter, Anspruch und Gesundheit der Patienten, kommen unterschiedliche Operationsverfahren zur Anwendung:

Cheilektomie
Resektionsarthroplastik
(n. Keller/ Brandes,n.Valenti)
Verkürzungsosteotomie
(n. Youngswick, n.Waterman, n. Malerba oder n. Weil)
Proximale Umstellung: beim Elevatus
Arthrodese / Versteifung
Implantation einer Großzehengrundgelenkprothese

Bei der Cheilektomie werden streckseitige Knochenüberstände abgetragen. Die etwas erweiterte Form mit schräger Abtrennung der halben Grundgliedbasis nennt sich Valentiresektion. Diese Operationen dienen dazu, die blockierenden Knochenüberstände abzutragen. Eine Streckung des Großzehengelenkes und somit eine bessere Abrollbewegung ist wieder gegeben. Diese Verfahren kommen zur Anwendung, wenn noch genug zentraler Knorpel erhalten ist und eine schnelle Mobilität wiedererlangt werden muss. Also manchmal auch beim sportlichen, jungen Patienten. Selten reicht diese OP Methode auch bei älteren Patienten aus, die eine kurzfristige Lösung der Schmerzurasche wünschen. Die Resektionsarthroplastik nach Keller/ Brandes bedeutet eine Zweidrittelabtragung der Grundgliedbasis. Eine OP Methode, welche bei alten Patienten noch angewendet werden kann. Die Spätfolgen der Beugefehlstellung im Endglied, die Hammerzehenbildung, der Vorfußschmerz / Metatarsalgie und das gestörte Abrollverhalten des Gelenkes stehen dann hier nicht so sehr im Vordergrund.

Bei mittelschweren Arthrosen kommen die Verkürzungsosteotomien als OP Methode in Betracht. Das Ziel dieser OPs ist die Wiederherstellung des Gelenkspiels / Gelenkkongruenz. Sie führen zur Dekompression des Gelenks. Die Voraussetzungen für eine solche Operation ist jedoch immer ein noch erhaltener Gelenkknorpel im Zentrum der Gelenkfläche. Zusätzlich wird hier meist noch eine Cheilektomie durchgeführt. Die Verkürzungsosteotomie benötigt zur Fixation eine kleine Gewindeschraube, welche nur selten wieder herausgenommen wird.


Stark schmerzhafte Arthrosen mit schlechter oder erloschener Beweglichkeit werden versteift. Die sogenannte Arthrodese. Sie ist die Therapie der Wahl bei fortgeschrittenem Verschleiß, aber auch bei z.B. Rheumapatienten. Ebenso als Rettungs-oder Rückzugsoperation bei vorangegangenen OPs kann die Versteifung nötig sein. Die Versteifung wird heutzutage mit einer kleinen winkelstabilen Platte befestigt, selten noch mit gekreuzten Schrauben. Falls eine starke Verkürzung droht, muss die Länge durch einen Knochenblock (meist aus dem Beckenkamm des Patienten) wiederhergestellt werden. Der Vorteil dieses Verfahrens ist die sofortige Schmerzfreiheit und die absolute Stabilität zur Sicherung der Fußstatik. Folgeeingriffe wie Korrekturen, Revisionen oder Metallentfernungen sind sehr selten.