Schmerzen im Bereich der Achillessehne

Achillodynie


Achillodynie

Allgemeine Information

Die Achillodynie beschreibt zunächst nur einen Achillessehnenschmerz. Man unterscheidetdiese Erkrankung vom hinteren Fersenbeinschmerzen, dem Haglund Syndrom. Desweiteren handelt es sich hier nicht um den akuten,unfallbedingen/ traumatischen Achillessehnenriss.

Ursachen

Wir Chirurgen unterscheiden die akute von der chronischen Achillodynie. Der akute Sehnenschmerz kommt überwiegend beim Sportler vor. Ursächlich sind hier Überbelastungen, Fehlbelastungen, Wadenmuskelverkürzungen, falsches Training oder auch Fußfehlstellungen. Die Behandlung der akuten Achillodynie liegt zu 100% auf Seiten der konservativen, sporttherapeutischen und physiotherapeutischen Seite.

Die chronische Achillodynie tritt nach einem langsamen, zunächst schmerzfreien Verlauf auf. Auch hier besteht ein Zusammenhang von Belastungen im Alltag, Überbelastung im Sport, Wadenmuskelverkürzungen und orthopädischenFußfehlstellungen. Zunächst wird die typische Verdickung 2-4 cm oberhalb des Fersenbeinansatzes beobachtet, welche erst spät an Schmerzsymptomatik zunimmt.

Als biologische Ursache wird eine anatomische Besonderheit vermutet. In diesem Sehnenareal treffen zwei Blutversorgungen aufeinander. Wie aus vielen Pathologiepräparaten bekannt, herrscht in der schmerzhaften Verdickungszone eine Minderversorgung der kleinen Gefäße. Diese Minderernährung der Sehne führt zu einem natürlichen aber entzündlich-schmerzhaften Reparationsversuch des Körpers. Ist die Reparationsfähigkeit erschöpft, bildet die Sehne letztendliche eine Nekrosezone (Zelltod / bzw. Narbe).

Konservative Behandlung

In einer konservativen Behandlung soll die verdickte Sehne elastisch gedehnt und entspannt werden, um die Mikro-Durchblutung zu fördern und einen körpereigenen Reparationsprozess anzustoßen. Physiotherapie , Fersenpolster und Eigendehnungen führen zur Entlastung der Sehne und zur Steigerung der Elastizität. Die Wadenmuskulatur muss mit in die Therapie einbezogen werden. Wie allgemein bekannt,führt eine Bewegung zu einer vermehrten Durchblutung. Der Schmerz verhindert jedoch häufig die gewünschte Trainingswirkung.

Eine Förderung der Durchblutung und eine lokale, mechanische Dehnreizung können durch eine radiale Stoßwellentherapie erreicht werden. Damit werden natürliche Reparationsprozesse in Gang gesetzt.

Operationsverfahren

Minimalinvasive Verfahren werden besonders im amerikanischen Raum angewandt und beruhen auf der Dekompressionstheorie. Die Achillessehne ist von einer Haut umgeben, das Paratenon.Es wird vermutet, dass die verdickte und entzündete Sehne sich im eigenen Umgebungsgewebe einengt („stranguliert“). In einer minimalinvasiven OP / Endoskopie kann die Sehnenhaut in Längsrichtung gespalten werden. Die Sehne hat nun wieder mehr Platz. Gegen diese Theorie spricht die Erfahrung, dass die kleinen, versorgenden Blutgefäße geschädigt werden können. Eine somit zuvor schon gestörte Durchblutung würde nun noch zusätzlich geschädigt. Hier fehlen aber noch Langzeitergebnisse.

Die offene, chirurgische Behandlung hat zwei Behandlungsansätze. Zum einen sollen die abgestorbenen, entzündlichen Narbenareale der Sehnen (Nekrosen) abgetragen werden und zum anderen die häufig schon entstandenen Längsrisse genäht werden. Nicht selten muss intraoperativ das „Innenleben“ der Sehne bis zu Zweidrittel ihres Volumens ausgehölt werden, um dann mittels einer besonderen Nahttechnik wieder verschlossen zu werden. Zu sparsame und zu zögerliche Eingriffe führen hier nicht zum Erfolg, denn eine solche „gewollte Verletzung“ der Sehne und ihrer angrenzenden,gesunden Sehnenanteile führt zu einem gewünschten, starken Reparationsreiz. Das Paratenon wird nach der Resektion und Naht sanft mittels Gewebekleber oder in kleiner Mikronahttechnik adaptiert.

Nachbehandlung

Die Nachbehandlung nach offener Resektion und Rekonstruktion muss sehr sorgfältig, geduldig und streng durchgeführt werden. Bis zu einer sicheren Wundheilung besteht Belastungsverbot in einem Kunststoffgips in leichter Spitzfußstellung für die Dauer von etwa 14 Tagen. Erst dann darf in einem Kunststoffstiefel (Walker) teilweise leicht belastet werden, mindestens aber weitere sechs Wochen streng an Unterarmgehstützen. Begleitend können passive Krankengymnastik und Lymphdrainage verordnet werden.

Erst nach zwei Monaten sollte man sich langsam der Alltagsbelastung nähern; Sport ist aber mindestens für die Dauer von drei bis vier Monaten verboten.